Hufrehe

Die Hufrehe (Laminitis) ist keine Erkrankung der Hufe, sondern eine Entgleisung des Stoffwechsels, also eine Erkrankung des gesamten Organismus Pferd. Obgleich die Hufe der deutlichste Indikator dafür sind, das heißt sie zeigen uns an, dass eine Hufrehe vorliegt, kann keine Heilung stattfinden, wenn wir nicht das ganze Pferd betrachten.

Im Grunde ist die Hufrehe die Folgeerscheinung einer Vergiftung. Eine falsche Ernährung kann ebenso zur Anhäufung von Toxinen im Körper führen wie die Aufnahme von Giften.  

Bei der Ernährung muss ein besonderes Augenmerk auf strukturarme, kohlenhydratreiche Futtermittel gelegt werden. Diese verursachen eine rasante Vermehrung der Streptokokken im Dickdarm, die für die Spaltung von Kohlenhydraten verantwortlich sind. Sie produzieren Milchsäure und übersäuern damit den Darm. Die rohfaserverdauenden Bakterien hingegen vertragen kein saures Milieu und sterben massenhaft ab. Hierdurch werden Giftstoffe (Endotoxine) freigesetzt. Sie gelangen durch eine angegriffene Darmschleimhaut in die Blutbahn und bis zur Huflederhaut. Dort kommt es daraufhin zur vermehrten Bildung von MMP Enzymen, die Proteine zersetzen und im gesunden Huf dafür sorgen, dass sich die Hufwand ablösen und an der Wandlederhaut entlang nach unten wachsen kann. Ein Zuviel dieser Proteine, und das Übel am Huf nimmt seinen Lauf... 

Bei einer Vergiftung durch die Aufnahme giftiger Stoffe werden im Darm ähnliche Vorgänge wie bei der diätbedingten Rehe ausgelöst. Es gibt viele giftige Pflanzen für Pferde. Darunter sind Adlerfarn, Herbstzeitlose, Kreuzkraut, Lein, Hundspetersilie, Wasserschierling, Gefleckter Schierling, Thuja, Robinie, Rizinus, Eicheln und viele andere mehr.  

Endophytische Pilzsymbionten. 

Aber auch Pflanzenschutzmittel, Pestizide, Schimmel im Heu oder Stroh oder auch Schlangenbisse wirken toxisch auf den Stoffwechsel. Außerdem sind alle Impfungen, Wurmkuren, Schmerzmittel, Medikamente allgemein und Cortisone im Besonderen, kurz jegliche Chemie, die in das System Pferd eingebracht werden, Fremdstoffe, die seinen Organismus vergiften und eine Rehe auslösen können.  

Nach einer Entwurmung bei starkem Befall und einer großen Zahl an abgestorbenen Parasiten können Toxine den Organismus belasten. 

Pferde mit einer Stoffwechsel-Auffälligkeit sind durch die Art der Pathogenese der Rehe offensichtlich besonders gefährdet, einen Reheschub zu erleiden. Hier ist besonders große Sorgfalt in der Fütterung angezeigt.

Die akute Hufrehe ist ein Notfall und bedarf sofortiger Maßnahmen. Bei der Hufrehe kommt es zu einer aseptischen Entzündung der Huflederhaut (bzw. Klauenlederhaut bei Paarhufern), und zwar der gesamten Huflederhaut, nicht nur der Wand- oder Blättchenlederhaut.  

Die Huflederhaut ist die nächstinnere Schicht nach der Hufkapsel und verbindet den Huf mit dem Hufbein bzw. mit den Weichteilen (Strahlkissen etc.) des Fußes, die sie einhüllt. Sie ist verantwortlich für die Herstellung des Hufhorns, für seine Erhaltung und Ernährung und für seine Haftung am Pferdefuß. Aseptisch bedeutet keimfrei, das heißt es sind keine Erreger daran beteiligt. Bei diesem Entzündungsprozess löst sich die Lederhaut von der Hufkapsel ab. Die austretende Gewebsflüssigkeit und Blutkörperchen aus der Lederhaut sowie Ödeme oder Schwellungen verursachen durch die fehlende Möglichkeit zur Ausdehnung im Huf sehr starke Schmerzen und fördern den Ablösungsprozess der miteinander "verzahnten" Lederhaut vom Hufhorn. In Extremfällen kann es zum Ausschuhen kommen. Dabei rutscht der Huf komplett vom Fuß.

Präparat eines längs halbierten Rehe-Hufes

 

Bei diesem Hufpräparat sehen Sie, wie das Wandhorn im Zehenbereich keilartig verformt ist. Das entspricht nicht der natürlichen Form eines gesunden Hufes. Der Fachbegriff dafür lautet Hufbeinrotation, in Wirklichkeit rotiert aber nicht das Hufbein nach unten, sondern der Huf entfernt sich vom Hufbein. Das Blättchenhorn hat sich stark gedehnt, in der Unteransicht des Hufes würden wir eine gedehnte Weiße Linie feststellen können. Im vorderen Bereich des Hufbeins ist die Sohle bereits 1-2 mm dünn statt einer gesunden Stärke von 1-2 cm und darüber. Das Hufbein ist nahe am Durchbruch durch die Sohle.  

Eine chronische Rehe über einen längeren Zeitraum kann  zu Erosion am Hufbein führen.

Scheibenplastinat. Durchbruch des Hufbeins mit Knochenabbau.

 

Dieses Bild zeigt ein Präparat eines Rehe-Hufes mit Abbau von Knochensubstanz im Hufbein. Beachten Sie, wie sich der Huf vom Hufbein entfernt hat. In einem gesunden Huf (siehe unten) verlaufen das Hufbein und die Zehenwand annähernd parallel zueinander. Bei diesem Huf ist der Zehenwinkel bereits extrem flach bzw. spitz. 

 

Gesunder Wildpferdehuf

 

 

 

 

Welsh Pony mit chronischer Laminitis

 

Bei diesem Pony erkennt man deutliche Wachstumsringe und einen starken Knick im Winkel der Zehenwand. Es könnten auch mehrere Knicke gewesen sein bevor der Hufschmied im unteren Bereich die Zehenwand geraspelt hat. Im Längsschnitt durch den Huf würde man eine deutliche Entfernung der Zehenwand vom Hufbein beobachten können. Die Hufwand schimmert rötlich links und oberhalb der Nagelzone aufgrund von Einblutungen aus der entzündeten Huflederhaut. 

 

 

Vorderhufe des Ponys, leider invasiv geöffnet für Erreger

 

 

Diese Giftstoffe bewirken eine weitere Verschiebung in der Zusammensetzung der Darmflora: nützliche Mikroben sterben ab, ungünstige, Milchsäure produzierende Mikroben finden für sich geeignete Lebensbedingungen. Über Mikrogeschwüre in der von der Milchsäure gereizten Darmschleimhaut gelangen die Toxine in den Blutkreislauf und letztendlich in die Huflederhaut. Dort lösen Sie Entzündungen aus und eine enzymbedingte Ablösung der Hufkapsel vom Fuß des Pferdes: Laminitis oder Hufrehe.   

Fotonachweis: 

Alle Fotos mit Ausnahme der unteren drei Fotos auf dieser Seite (Hufrehe) stammen von wikipedia.  

Das Foto "Gesunder Wildpferdehuf" zeigt ein Präparat von Jaime Jackson, von mir selbst fotografiert. 

Die unteren zwei Fotos des chronisch erkrankten Ponies sind mein eigenes Material.

Die urheberrechtlichen Besitzer des Fotomaterials erteilten mir die freundliche Erlaubnis, dieses auf meiner Homepage abzubilden. Die Fotos dürfen nicht von Dritten herunter-geladen und anderweitig verwendet werden ohne die Erlaubnis der urheberrechtlichen Besitzer. Vielen Dank für Ihr Verständnis.